„Ich konzipiere Räume, die mit der Umgebung kommunizieren“

Der Frankfurter Architekt Michael Landes über mediterran beeinflusstes Wohnen, die Lust am städtischen Leben und Architektur als Wegbereiter von Netzwerken.

Herr Landes, wie würden Sie Ihre charakteristische Bauweise beschreiben?

Ich entwerfe meine Gebäude nicht im Sinne einer doktrinären Philosophie – da gibt es ja Schulen, die bestimmte Richtungen verfolgen. Meine Häuser nehmen Stilmittel aus der Umgebung auf, sie sollen mit ihr kommunizieren. Wenn ich mich in einem Gründerzeit-Viertel, wie zum Beispiel dem Frankfurter Westend befinde, versuche ich, ein Haus zu bauen, das nicht dagegen arbeitet, sondern sich einordnet. Ich habe nicht das Bedürfnis, etwas Neues zu erfinden oder ein Bauwerk zu schaffen, das extrem auffällt.

Ihren Bauten werden oft mediterrane Einflüsse zugeschrieben...

Ja, erstaunlicherweise haben alle meine Häuser diese Qualität. Jeder denkt sofort an Italien, weil sich meine Architektur zur Stadt hin öffnet. Der Stadtraum wird dadurch zum Lebensraum. Mir ist es auch wichtig, große Fenster und Austritte zu machen, das Haus zur Stadt hin nicht zu verschließen.

Früher zogen sich die Menschen gerne in ihre eigenen vier Wände zurück. Hat sich das in den vergangenen Jahren verändert?

Ich denke ja. Früher wohnten viele Leute draußen und fuhren zum Arbeiten in die Stadt. Jetzt zieht es sie wieder zurück in die Großstädte. Das hat sicher auch damit zu tun, dass es die Großfamilie nicht mehr gibt. Die Menschen möchten spontan ins Restaurant oder Theater gehen, Kontakt haben mit ihrer Umgebung. In vielen Städten wird auch insgesamt wieder Wert auf eine gute Gestaltung des öffentlichen Raums gelegt. Nach dem Krieg wurden Städte gebaut, die in erster Linie autogerecht waren.

Sie werben damit, dass Ihre Architektur einen hohen Anspruch an Alltag und Alltagskultur hat. Was meinen Sie damit?

Ich versuche ein Gebäude zu konzipieren, das brauchbar ist. Etwas, das nicht nur den Anspruch hat, irre auszusehen, sondern mit dem Leben zusammen hängt, mit der Umgebung kommuniziert. Ein gutes Beispiel dafür ist das Uniongelände im Osten, das ich komplett bebaut habe. Da gibt es Anwälte, Werbeagenturen, ein Möbelgeschäft, eine Kunstgalerie, eine Disko – eben viele verschiedene Berufszweige nebeneinander. Das funktioniert einfach toll. Die Leute arbeiten in ihren Büros, treffen sich aber auch draußen auf der Piazza. Die Arbeit geht in den öffentlichen Bereich über.

Architektur als neue Form des Networking?

Auf jeden Fall. Arbeiten heißt ja gleichzeitig auch, Kommunikation in der Gesellschaft zu haben.

Im Westend III haben Sie vorwiegend mit dem Wohnzimmer verbundene, offene Küchen vorgesehen. Ist das auch eine Form Ihrer kommunikationsfreundlichen Architektur?

Ja, das hängt damit zusammen. Die altüblichen Riesenwohnzimmer haben eigentlich nur Sinn für Leute, die große Kunstsammlungen haben oder sehr repräsentativ leben und Gesellschaften geben. Heute kochen die Menschen gerne zusammen und bleiben meist sowieso am Esstisch sitzen. Der moderne Städter braucht auch gar nicht so viel Raum, weil er sich mehr in der Stadt bewegen möchte.

Räume, die Kommunikation erzeugen – das klingt fast spirituell – lassen Sie sich bei Ihrer Architektur auch von östlichen Lehren, wie beispielsweise Feng Shui, beeinflussen?

Ich habe in der Union zwei Büros gemeinsam mit Feng Shui-Fachleuten eingerichtet. Die Zusammenarbeit war sehr angenehm. Das Erstaunliche war, dass ich das Büro fast genauso organisiert hatte, wie die es haben wollten. Zum Beispiel gibt es dort, genau wie in meinem eigenen Büro, eine gemeinsame Mitte. Ich denke, dass Feng Shui vieles beinhaltet, was auch in Europa angewendet wurde. Da geht es um Harmonie und Selbstbewusstsein. Wenn ein Raum selbstbewusst ist, lässt sich das sicher auf den Bewohner übertragen.

Was reizt Sie am Standort Frankfurt?

Ich bin einfach Frankfurter. Ich habe hier meine Freunde und fühle mich sehr wohl. Und ich kann hier sehr viel bewegen, weil es so viel zu verbessern gibt.

 

Zur Person:
Michael Landes gehört zu den namhaftesten Architekten Frankfurts. Im Vordergrund seiner Entwürfe steht die Einbindung der Bauten in den öffentlichen Raum. Bekannt machte ihn vor allem seine Konzeption des Uniongeländes, das er für Ardi Goldman zu einem neuen Stadtquartier umbaute.
Sein zurzeit wohl schönstes Projekt in Frankfurt umfasst den Bau von drei Stadthäusern im renommierten Westend.